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23 | 02 | 2012
Tom Rob Smith, Agent 6
smithFür sein Land würde Leo Demidow alles tun. Für seine Familie würde er sterben. Die Suche nach dem, der sie zerstört hat, hält ihn am Leben. Und nur ein Mann kennt die Wahrheit: Agent 6 Moskau 1950. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin besucht die Sowjetunion, um sein idealistisches Bild des Kommunismus zu überprüfen. Damit Austin nicht hinter die Kulissen des für ihn inszenierten Alltags schauen kann, wird ihm Geheimdienstoffizier Leo Demidow an die Seite gestellt. Doch trotz Leos Einsatz kommt es fast zum Eklat. Fünfzehn Jahre später reist Demidows Frau Raisa mit ihren beiden Töchtern nach New York, wo ein Konzert sowjetischer und amerikanischer Schüler für Entspannung im Kalten Krieg sorgen soll. Auch Jesse Austin wurde eine Rolle in dem Spektakel zugewiesen. Der Abend endet mit mehreren Toten, und nur ein Mann weiß, was wirklich geschah: Agent 6. Und eines Tages wird Leo ihn finden.

Lebenslauf von Leo Stepanowitsch Demidow
Student am Zentralinstitut für Körperkultur. Im Trainingslager Mitischtschi Ausbildung in Nahkampf, Waffenkunde, Fallschirmsprüngen aus niedriger Höhe und Umgang mit Sprengstoff. Während des Großen Vaterländischen Krieges dem OMSBON zugeteilt, einer unabhängigen Panzergrenadierbrigade für Sonderoperationen hinter den feindlichen Linien. Auszeichnung mit dem Suworow-Orden zweiter Klasse. Nach dem Krieg versetzt zum Geheimdienst NKWD, dann Ermittler des daraus hervorgegangenen Staatssicherheitsdienstes MGB.

Seine Aufgabe: Überführung von Personen, die der antisowjetischen Agitation, konterrevolutionärer Umtriebe oder der Spionage verdächtig sind (“Kind 44”). „Die Aufgabe eines Ermittlers war es, an der Unschuld zu kratzen, bis die Schuld offengelegt war. Wenn man keine Schuld entdeckte, dann hatte man womöglich nicht lange genug gekratzt.“ Im Jahr 1953 zeitweilige Degradierung zum Utschastkowy, dem untersten Grad eines Milizbeamten, verbunden mit der Versetzung in den Ural. Später Leiter des neugegründeten Morddezernates in Moskau („Kolyma“). Die Arbeit des Morddezernats ist der strengsten Geheimhaltungsstufe unterworfen, sie berichtet direkt an die höchsten Stellen im Innenministerium und arbeitet als verdeckte Unterabteilung des Hauptbüros für Verbrechensbekämpfung. „Kein Bürger konnte sich an das Morddezernat wenden, weil gar keiner wusste, dass es überhaupt existierte. Aus diesem Grund konnte Leo auch nicht im Radio zur Mithilfe aufrufen oder Zeugen bitten, sich zu melden. So etwas wäre gleichbedeutend gewesen mit der öffentlichen Bekanntmachung, dass es tatsächlich Verbrechen gab.“

Ende der fünfziger Jahre Austritt aus dem KGB, danach Werksleiter einer kleinen Fabrik. Seit Mitte der siebziger Jahre ist er in Kabul als sowjetischer Berater für das kommunistische Regime und die Geheimpolizei in Afghanistan tätig („Agent 6“). Dort erlebt er die sowjetische Invasion von 1979 mit, die ausgelöst wird, weil sich die kommunistische Regierung ohne Hilfe der UdSSR nicht gegen die Mudschaheddin behaupten kann.

 

Tom_Rob_Smith_202011Tom Rob Smith wurde 1979 als Sohn einer schwedischen Mutter und eines englischen Vaters in London geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte in Cambridge und Italien. In den letzten Jahren arbeitete Tom Rob Smith als Drehbuchautor.

Manhattan Verlag, gebundene Ausgabe, 528 Seiten, 21.99 Euro

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Foto: Scott McPherson